Praxis für Naturheilverfahren Dr.phil. Eva Bartsch                                 

Aktuell ist natürlich die Corona-Krise, die mich einiges gelehrt hat:

 

Nach wie vor und auch bei völliger Ratlosigkeit der Schulmedizin zählt die Naturheilkunde nicht, die durchaus Mittel gegen virale Infektionen kennt. Die Aufforderung an die Bürger, immunstärkende Maßnahmen durchzuführen und diese ausnahmsweise auch mal zu subventionieren, wäre ebenso wichtig gewesen, wie die Einführung der Maskenpflicht.

Die Kosten dafür wären sehr gering, die Folgen für die physische und psychische Abwehr und das Bewußtsein, trotz der Bedrohung handlungsfähig zu sein - also nicht bloß das frustrierte Opfer, das sich einschränken muss, sondern ein Mensch, der neue Erfahrungen mit sich und seinem Umfeld machen darf - scheinen mir lohnenswert. 

Stattdessen gibt es wieder Diskussionen um die Abschaffung des Berufstandes der Heilpraktiker. Das finde ich sehr traurig. Verdrängung - das zeigt die alltägliche (Lebens-)Praxis, wenn sie denn bewusst wahrgenommen wird, hat noch nie zur Problemlösung beigetragen.

Menschen haben - und das habe ich auch gelernt - Schwierigkeiten damit, sich an Regeln zu halten. Ganz neu war mir das nicht, das Verstehen fällt mir leider sehr schwer. Wir, und damit meine ich die, die keinen direkten Kontakt mit Infizierten haben oder selbst  erkrankt sind, wissen nicht, was Corona ist, ob alles ein Fake ist einschließlich der Nachrichten aus den Nachbarländern, was dann allerdings schon eine gewaltige Verschwörung sein müsste, die aus meiner Sicht umso erstaunlicher wäre, als für eine solche Konstruktion die sonst so zerstrittenen Staaten an einem Illusions-Strang ziehen müssten. Wir wissen es nicht. Und solange ich nichts weiß, tue ich alles, um Risiken auszuschließen. Also halte ich Abstand und trage einen Mundschutz. Wo ist das Problem? Außerdem nutze ich alles mir zur Verfügung stehende Wissen, um für mich und mein Umfeld weiter zu kommen. 

Damit komme ich zu den positiven Resultaten:

Natürlich aktiviert ein Lock-Down Ressourcen. Möglicherweise begünstigt er die Energie-Wende. Das wäre ein enormer Gewinn. Möglicherweise verändert sich das CO2-lastige Reise-Verhalten, Pop-up Radwege gibt es schon, in unserer Region ist es seit Mitte März zu keinem Wetter-Extrem gekommen...

Ich habe entdeckt, dass ich Freiräume auch dafür nutzen kann, mich online fortzubilden. Das Angebot hat sich natürlich enorm erweitert. Und da hatte ich Glück, auf einen hypno-systemischen Workshop zu stoßen, der mich aus vielen Gründen faszinieren konnte, aber vor allem den bemerkenswerten Vorzug vor anderen Anbietern hatte, in der Behandlung und Intervention einen ethischen Maßstab zu verfolgen. Ja, da ist mir nach langer Zeit ein Mensch begegnet, der sich dessen bewusst ist, dass er nur als Mensch Menschen helfen kann. Und dass es nicht um Macht geht im Leben, sondern dass es darum geht, sich in einer für das (individuelle) Leben sinnvollen Weise einzubringen.

Macht ist ein seelischer Schluckauf, der die Ressource der Empathie, des Mitfühlens und sozialen Empfindens behindert. Durch die fantastischen Ausführungen von Gunther Schmidt habe ich sehr viel für meine Arbeit gelernt, mir wurde aber auch erst wieder bewusst, warum ich Hildegard-Medizin und Hypno-Therapie in meiner Praxis miteinander verbinde. Und da dachte ich, das sollte ich mal deutlich sagen:

In der Hypnose werden die tiefen, un- bzw- vorbewussten autonomen Strukturen des Nervensystems angesprochen. Es ist die Welt der umfassenden Gefühle, der Bilder und Symbole, der Tabus und religiösen Vorstellungen. Es gibt einen physisch fassbaren Grund, warum der Mensch sein Leben in einer sowohl endlichen als auch ewigen Dimension wahrnimmt: die Welt des Bewusstseins reflektiert auf das eigene Ende, während das autonome System diese Grenze nicht kennt. Es erfährt lediglich die Unendlichkeit und unendliche Verfügbarkeit der Impulse. Die Autonomie des Herzschlags wird durch den Tod des Individuums, in dem das Herz schlägt, nicht begrenzt, sonst wäre eine Verpflanzung nicht möglich. Damit bildet das autonome Unbewusste ein unbegrenztes Reservoir an Möglichkeiten, dem erst durch das Bewusstsein eine Grenze gesetzt wird.

Das Mittelalter hatte mit der Perspektive auf die Erlösung der Menschheit eine geschichtliche Vision, die in der Lage war, diese Seelenkräfte zu mobilisieren und zu bündeln. Es konnte nur deshalb so dauerhaft erfolgreich sein, weil dieses Konzept der inneren Dynamik des Menschen entspricht. Es ist aber noch kein ganzheitliches Konzept, sondern ebenso einseitig wie die heutige Dominanz des Intellekts, die den Ewigkeitsaspekt des Daseins als Illusion hinter sich lässt. 

Beide Kräfte sollten sich sinnvoll verbinden, um das Leben zur Entfaltung zu bringen. Hier bildet die Hypno-Therapie einen Weg, beide Anteile in einen Austausch zu bringen. Milton Erickson war ein bedeutender Pionier auf dem Gebiet der Entwicklung von Kommunikationstechniken mithilfe hypnotischer Interventionen. Gunther Schmidt, ein Schüler Ericksons und Direktor des Heidelberger Milton-Erickson-Instituts, hat diesen Ansatz mit Techniken aus der systemischen Therapie verbunden. 

Ich nutze in meiner Praxis mittelalterliches Heilwissen, da es unmittelbar auf die autonomen Strukturen einwirkt und damit in der Lage ist, den Boden für therapeutische Interventionen vorzubereiten. Der Organismus fasst nämlich Vertrauen, wenn ihn plötzlich ein Impuls erreicht, den er autonom umsetzen kann. Das alte in den Rezepturen, Kräutermischungen, Elixieren aufgehobene Wissen trägt dieselbe Signatur der autonomen Orientierung, die auch das Unbewusste als seine herausragende, sozusagen intuitive Fähigkeit auszeichnet. 

Die Heilkunde nach Hildegard von Bingen scheint mir hier besonders geeignet. Ihre Wirkung habe ich schon oft in der Praxis beobachten können. Ein Beispiel ist mir besonders im Gedächtnis: wie ein Patient, der seit dreißig Jahren Drehtür-Patient in allen verfügbaren psychiatrischen Einrichtungen des Umkreises war, zitternd vor mir am Tisch saß, ein körperliches und seelisches Wrack, und ich in meiner Not, irgendetwas tun zu müssen, beim Zittern ansetzte und den Nacken geschröpft habe. Danach habe ich ihn nie wieder zitternd gesehen und ein halbes Jahr lang begleitet. In dieser Zeit ist er in seine Wohnung zurück gekehrt, hat wieder selbst eingekauft, für sich gesorgt und am Leben teilgenommen. Er hatte seine Autonomie und seine Würde zurück. Und das einzige, was ich dazu beigetragen habe, war es, mithilfe alter Techniken seine Autonomie aus dem psychopharmaka-induzierten Tiefschlaf zu wecken.